Halbinsel Wustrow aktuell

Im Jahr 1998 wurde die Halbinsel Wustrow vom Bund verkauft. Den Zuschlag erhielt unter vielen Bewerbern die Fundus-Gruppe. Die Firma ist auf geschlossene Immobilienfonds und hochpreisige Immobilien wie Hotels, Einkaufscenter und Galerien spezialisiert. Medien zufolge soll der Kaufpreis für Wustrow 7,55 Millionen Euro betragen haben, wobei der Bund noch Millionen für die Beräumung der Munition berappt haben soll. Demnach hätte sich die Fundusgruppe zu Investition von mindestens 45 Millionen Euro verpflichtet.

Wustrow: ehemalige Wohnsiedlung Rerik-West
Wustrow: ehemalige Wohnsiedlung Rerik-West

Nach Fundus-Plänen sollen hochkomfortable Eigentumswohnungen und Ferienobjekte mit einer Gesamtkapazität von über 2.000 Personen gebaut werden. Die Bauvorhaben umfassen auch ein Hotel mit 150 Betten und kleinere Gebäudegruppen an der Ostseeseite. Dazu will man schrittweise die alte Gartenstadt sanieren, erweitern und eine zweite Gartenstadt errichten. Um den gehobenen Ansprüchen der Zielgruppe gerecht zu werden, gehört auch ein seeseitiger Yachthafen, ein Golfplatz und ein Reiterhof zum Konzept. Ein Naturlehrpfad mit Aussichtsturm und Informationszentrum sollen den Komplex vervollständigen. Das Naturschutzgebiet würde davon unberührt bleiben.

Doch derzeit ist die Zukunft von Wustrow ungewiss, da die Pläne der Fundusgruppe nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Der Hauptstreitpunkt ist das zu erwartende hohe Verkehrsaufkommen auf der Zufahrtsstraße durch Rerik. Deshalb untersagte Rerik den Insel-Eigentümern die Benutzung der Zufahrtsstraße über den Wustrower Hals.

Die Fundusgruppe wiederum sperrte die Insel 2004 für den Publikumsverkehr, sodass die bis dahin üblichen Führungen entfielen. Man kann die Halbinsel nur noch vom Wasser aus besichtigen. Begründet wurde diese Maßnahme mit den Gefahren, welche durch die alten, ungesicherten Gebäude entstehen. Das ist aus versicherungstechnischer Sicht durchaus nachvollziehbar.

Da die Entwicklung von Wustrow bislang immer am Verkehrsproblem scheiterte, sind schon viele Ideen zur Minderung der Verkehrsbelastung aufgekommen. So sollten Tempo-30 Zonen den Lärm dämmen und die Sicherheit erhöhen, außerdem sollte der öffentliche Personennahverkehr verbessert werden. Ein weiterer Vorschlag waren Auffangparkplätze am Ortseingang von Rerik sowie ein Shuttlesystem von den Parkplätzen zum Strand, in die Stadt bzw. auf die Halbinsel. Darüber hinaus sollte eine Fährverbindung nach Wustrow geschaffen und das Rad- und Wanderwegenetz ausgebaut werden. Selbst von einem Tunnel war die Rede. Doch nichts davon ließ sich bislang umsetzen. Einige Vorschläge scheitern am Naturschutz, denn große Teile der Insel sind und bleiben ein Naturschutzgebiet, das zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet.

Auch wenn es zwischenzeitlich immer wieder einmal nach einer Annäherung der Parteien aussah, ist das Verkehrsproblem nicht gelöst. Die Haltung Reriks ist verständlich, zumal sich das Verkehrsaufkommen in der Kleinstadt schon durch die eigene Stadtentwicklung verschärft hat. Ohne Zufahrt wiederum ist es für die Fundus-Gruppe nicht sinnvoll und erfolgversprechend, die geplante Gartenstadt zu entwickeln. So herrscht seit Jahren Stillstand und die Natur erobert sich die Insel mehr und mehr zurück.

Vegetation auf Wustrow
Vegetation auf Wustrow

Durch den üppigen Wuchs sind viele Teile von Wustrow wieder mit großen Büschen und Bäumen bedeckt. Das ist auch der Bundesforstbehörde nicht entgangen, die nach 2011 große Teile der Halbinsel zum Waldgebiet erklärt hat. Ein Fakt, der die Lage zusätzlich verkompliziert, denn Wald muss laut Gesetz jedem zugänglich sein. Ob sich der neue Waldbestand mit dem Baurecht vereinbart, wäre eine weitere zu klärende Frage. Wie auch immer, der Öffentlichkeit bleibt Wustrow weiterhin versperrt. Geführte Wanderungen und Besichtigungen sind bislang nicht möglich, denn noch immer ist das Betreten von Wustrow gefährlich. Es gibt sehr viele baufällige Ruinen, Hohlräume und Strände, an die alte Munition angespült wird.

Die Fundus-Gruppe könnte die Insel aber auch der Natur überlassen und trotzdem davon profitieren.  Die Eigentümer hätten die Möglichkeit, das Gelände als sogenannte Ausgleichsfläche anzubieten. Immer wenn durch große Bauprojekte an der Küste oder anderenorts in die Natur eingegriffen wird, müssen laut Gesetz dafür  andere Flächen ökologisch aufgewertet werden, also für die Natur ein Ausgleich geschaffen werden. Damit ließe sich im Falle von Wustrow sehr gut verdienen. Die notwendigen Öko-Punkte dafür sind bereits genehmigt worden. Mit Hilfe von Öko-Punkten bzw. eines Öko-Kontos können Flächen vorzeitig gesichert werden, wodurch eine flexible Vorhabensplanung möglich ist. Außerdem kann man durch Ausgleichsmaßnahmen die Leistungsfähigkeit der Natur erhalten, sofern die Maßnahmen gut umgesetzt und kontrolliert werden.

Die Insel Wustrow bleibt vorerst ein geheimnisvoller Fleck auf der deutschen Landkarte und man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

Geschichte der Halbinsel Wustrow

 

© Wustrow – Die Geisterstadt,  Ragnar1904 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
© Wustrow, Derzno  (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
© Halbinsel Wustrow, Lotte76 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via  Wikimedia Commons
© Vegetation auf WustrowDerzno (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons